Was ist Tinnitus?
Zum besseren Verständnis empfehlen wir zuerst das Kapitel "Wie hören wir ?" zu lesen.
Tinnitusdefinition
Von Tinnitus spricht man, wenn ein Geräusch im Ohr oder im Kopf wahrgenommen wird, ohne dass eine äussere Schallquelle vorhanden ist. Das Wort Tinnitus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie "Klingeln". Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein unspezifisches Symptom, wie dies auch Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit sind. Tinnitus kann aber krank machen. Es wird zwischen "objektivierbarem" und "subjektivem" Tinnitus unterschieden. Die seltenere Form, der "objektivierbare" Tinnitus, kann nicht nur vom Patienten, sondern auch von anderen Personen gehört werden. Es handelt sich um körpereigene Geräusche, die von der Blutströmung, Kiefergelenksbewegungen,  Kontraktionen der Mittelohrmuskeln, usw. stammen. Der eigentliche, "subjektive" Tinnitus wird nur vom Patienten selbst wahrgenommen. Man schätzt, dass  20-30 % der Bevölkerung vorübergehend oder dauernd einen Tinnitus empfinden. Es werden dabei die unterschiedlichsten Tonempfindungen beschrieben: tiefe, hohe, konstante, pulsierende, regelmässige, unregelmässige Töne oder Geräusche.
Akuter Tinnitus

 

Ein neu auftretender (akuter) Tinnitus wird oft von einer Erkrankung des Ohres ausgelöst. Defekte Haarzellen im Innenohr können ein "falsches", elektrisches Signal produzieren, welches als Geräusch oder eben als Tinnitus wahrgenommen wird. Solche Innenohrschäden entstehen unter anderem durch starke Schalleinwirkung, Hörsturz, Schädel-Hirnverletzungen, usw.

Paukenerguss
Paukenerguss

CT mit Hörnerventumor

CT Akustikusneurinom

Nachstehend sind einige Krankheiten oder Zustände aufgelistet, die von einem Tinnitus begleitet sein können. Die Aufzählung erhebt nicht den Anspruch vollständig zu sein.
  • Erkrankung oder Schädigung des äusseren Ohres, wie Ohrpropf, Fremdkörper im Gehörgang, Entzündung des Gehörganges.
  • Erkrankung oder Schädigung des Mittelohres, wie Paukenerguss (Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr), Entzündung des Mittelohres, Trommelfellperforation, Cholesteatom, Otosklerose, Mittelohrverletzung nach Schädelbruch.
  • Erkrankung oder Schädigung des Innenohres, unabhängig von der Ursache der Ohrschädigung.  Dazu gehören Altersschwerhörigkeit, Innenohrschädigung durch Lärm, Schall, Schädel-Hirnverletzung, Infektion, Durchblutungsstörung, Hörsturz, Menière'sche Erkrankung, Medikamente, usw.
  • Erkrankung oder Schädigung des Hörnerven durch Entzündungen oder Tumoren.
  • Herz-, Kreislauf- und Gefässerkrankungen, wie Bluthochdruck, Anomalien und Missbildungen von Blutgefässen, Blutarmut, Herzfehler.
  • Erkrankung oder Schädigung von Wirbelsäule, Nackenmuskulatur, Kiefergelenk, Kaumuskulatur.
  • Medikamente, Nahrungs- und Genussmittel, wie Aspirin, Chinin, Alkohol, Tabak, Marihuana, usw. können Tinnitus verstärken. Stress und psychische Belastung können Tinnitus verstärken.

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Chronischer Tinnitus
Ein Tinnitus wird als chronisch bezeichnet, wenn er über längere Zeit oder dauernd wahrgenommen wird. Der  Ursprung des wahrgenommenen Geräusches ist nicht mehr das Ohr, sondern die zentrale Hörverarbeitung im Gehirn. Es entwickelt sich eine "Auditorische Phantomwahrnehmung".  Deshalb kann auch bei vollständigem Funktionsverlust eines Ohres oder nach Durchtrennung des Hörnerven ein Tinnitus auftreten.  Normalerweise gewöhnt sich unser Körper an regelmässig wiederkehrende oder lange andauernde Reize neutralen Charakters. Wir nehmen diese nach einiger Zeit nicht mehr wahr (z.B. das Ticken einer Uhr). Dies gilt ganz besonders dann, wenn wir unsere Aufmerksamkeit anderen Gegenständen oder Tätigkeiten zuwenden. Im Falle eines Geräusches wird dieses im Hirnstamm ausgefiltert, bleibt im Unterbewussten und wird nicht mehr wahrgenommen. Ist das Geräusch jedoch stark mit negativen Emotionen verbunden, fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit darauf. Körpereigene Geräusche, wie Tinnitus, sind häufig mit negativen Emotionen verbunden, da sie keine für uns erkennbare, plausible Ursache haben. Entsprechend lösen sie Unsicherheit, Angstgefühle, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Depressionen usw. aus. Diese unangenehmen Begleitsymptome verstärken die, mit dem Geräusch verbundenen negativen Emotionen, was wiederum zu intensiveren Begleitsymptomen und einer noch stärkeren Fokussierung unserer Aufmerksamkeit auf den Tinnitus führt.  In ruhiger Umgebung (z.B. nachts beim Einschlafen) ist die Gefahr der Fokussierung auf den Tinnitus besonders stark, da kaum andere Reize vorhanden sind, die unsere Aufmerksamkeit ablenken. Zusätzlich wird in ruhiger Umgebung der Verstärkerregelkreis von Hirnstamm und Innenohr aktiviert, was zur Wahrnehmung des "elektrischen" Eigenrauschens des Hörsystems führen kann. Dies erklärt, dass in einem schalltoten Raum fast obligat bei allen Leuten ein Tinnitus auftritt.
 
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